
Feuerwehr-Sonderausbildung Bahnunfälle
Gefahrgut-Ausbildungszug im Bahnhof Kronach

Obwohl das Transportmittel Bahn eines der sichersten
ist, kommt es immer wieder zu schweren Unfällen, wie beispielsweise 1997 im
brandenburgischen Elsterwerda, wo ein Zug mit 22 Kesselwagen entgleiste und
explodierte. Daher betreibt die Deutsche Bahn AG einen
Gefahrgut-Ausbildungszug für Rettungskräfte, welcher nun drei Tage Station
im Bahnhof Kronach machte.

Rund 35 Millionen Tonnen Gefahrgut rollen jährlich über
das bundesdeutsche Schiennetz. Über die Hälfte davon sind brennbare
Flüssigkeiten, aber auch Gase, ätzende Stoffe oder sogar Sprengstoffe werden
auf der Bahn verladen und transportiert. Nachdem den Landkreis Kronach eine
der Hauptschienachsen zwischen München und Berlin quert, rollen auch hier
tagtäglich entsprechende Transporte.
Grund genug für die betroffenen Einsatzkräfte der Feuerwehren mit
Chemieschutzausrüstung aus Pressig, Kronach, Tettau, Nordhalben, Marktrodach
und Wallenfels sich nun einer Sonderausbildung zu unterziehen, um für den
Ernstfall gewappnet zu sein. Auch die Führungskräfte der
Kreisbrandinspektion und des THW sowie die Kommandanten der Stützpunktwehren
entlang der Bahnlinie (Ludwigsstadt, Steinbach/Wald, Teuschnitz, Stockheim,
Küps) nahmen an der dreistündigen Ausbildung teil.

In einem ersten Schulungsblock stellte Notfallmanager
Klaus Herbst die grundsätzlichen Strukturen des Notfallmanagements bei der
Deutschen Bahn vor. Ausbilder Horst Fechner referierte über die
Kennzeichnung der Transporte und über die Informationsmöglichkeiten zu den
geladenen Stoffen. Weiter stellte er einige der unterschiedlichen
Kesselwagen, welche auf den Deutschen Schienen unterwegs sind, vor. Jedes
Modell hat hier seine Eigenarten und allein bei den gebräuchlichen Waggons
gibt es über 60 verschiedene Befüll- und Entnahmeeinrichtungen.

In einem praktischen Teil konnten am
Schulungskesselwagen die unterschiedlichsten Armaturen besichtigt und
probiert werden. Ausbilder Ingo Piersig wies hier insbesondere auf die
großen Gefahren durch unsachgemäßes Hantieren an den Ventilen hin. Dadurch
kann die Schadenslage leicht noch verstärkt werden.

Eine ganz besondere Ausbildung konnte die
Feuerwehr Kronach dann am Mittwochnachmittag am Leckagewagen des
Ausbildungszuges absolvieren. Dieser Kesselwagen hat neun vorinstallierte
Lecks, aus denen auf Knopfdruck Wasser austritt. Hier konnte nun unter
absolut realen Bedingungen geübt werden, wie der Austritt von gefährlichen
Stoffen mit den auf den Einsatzfahrzeugen und auf dem Ölschadensanhänger
befindlichen Gerätschaften und Hilfsmitteln verhindert werden kann.

Die Übung leitete Notfallmanager Hans-Jürgen Fischer,
welcher auch die unbedingt notwendige Erdung der elektrischen Oberleitung
vornahm. Nachdem der Austritt einer Säure aus dem Tankwagen angenommen
wurde, gingen vier Feuerwehrmänner unter Chemieschutzanzügen und zwei Mann
unter schwerem Atemschutz an die Arbeit. Mit einem druckluftgefüllten
Dichtkissen, welches um den Kessel gespannt werden kann, konnte das Leck
schließlich geschlossen werden.

Die Einsatzkräfte bewerteten die Ausbildung
abschließend als sehr gewinnbringend. Sie habe genau gezeigt, was mit dem
bei der Feuerwehr vorhandenen Gerät leistbar ist und wann im Notfall auf
Hilfe von Bahn und Industrie zurückgegriffen werden müsse.
Bericht & Bilder: Stefan Wicklein
