Großbrand der Detschramühle an der Rodach
Am Sonntag, 17.07.2005 wurde um 17.51 Uhr durch die
Polizeiinspektion Kronach Alarmstufe 3 für die Stadt Kronach ausgelöst. Der
Sicherheitsdienst der Firma LOEWE hatte eine größere Rauchentwicklung gegenüber
der Firmeneinfahrt festgestellt und den Notruf abgesetzt. Es brannte die
Detschramühle, eine alte Schneidmühle an der Rodach, hinter der Industriestraße.

Neben der Feuerwehr Kronach rückten daraufhin die
Feuerwehren Neuses, Höfles, Friesen und Knellendorf zum Brandobjekt aus. Schon
von Weitem war die große dunkle Rauchsäule über dem Stadtgebiet zu sehen. Beim
Eintreffen der ersten Fahrzeuge stand bereits die gesamte Mühle in Flammen. Am
direkt angebauten Wohnhaus brannte der Dachstuhl. Sofort wurde ein umfangreicher
Löschangriff aufgebaut. Über drei B-Versorgungsleitungen vom Hydrantennetz der
ca. 150 Meter entfernten Industriestraße sowie über mehrere TS 8 und ein LF 8,
welche am Mühlgraben in Stellung gebracht wurden, konnte eine ausreichende
Wasserversorgung gesichert werden. Kurz nach 18.00 Uhr kam es im Gebäude zu
einer massiven Explosion, wodurch ein Anbau des Gebäudes einstürzte. Einige
Trupps wurde förmlich zurückgeschleudert - verletzt wurde jedoch dabei
glücklicherweise niemand. Später stellte sich heraus, dass es sich um eine große
Acetylenflasche gehandelt hatte, welche für Schweißarbeiten verwendet wird.

Über die DLK 23/12 wurde das Wenderohr vom LOEWE-Parkplatz
auf das mitten in einer Baumgruppe stehende Brandobjekt vorgenommen. Durch den
massiven Löscheinsatz (insgesamt 11 C-Rohre und 7 B-Rohre) konnte zumindest
verhindert werden, dass das Wohnhaus bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Anfängliche Befürchtungen, der Hauseigentümer könnte sich
noch im Gebäude aufhalten, bewahrheiteten sich glücklicherweise nicht. Dieser
erschien im Laufe der Löscharbeiten an der Brandstelle. Bei der Brandbekämpfung
und zur Personensuche im Wohnhaus musste teilweise schwerer Atemschutz angelegt
werden. Hierfür wurden 12 Trupps eingesetzt.

Zur Unterstützung der Feuerwehrkräfte waren auch das THW
und das BRK, welches bei der großen Hitze die Versorgung mit Getränken sicher
stellte, vor Ort. Seitens der Kreisbrandinspektion waren neben den Kronacher
Kreisbrandmeistern Ludwig Klinger, Martin Panzer und Ralf Weidenhammer auch
Kreisbrandrat Peter Endres, Kreisbrandinspektor Bernd Steger und
Kreisbrandmeister Dittmar Treusch an der Einsatzstelle.

Die Einsatzleitung hatte Kommandant Burkhard Grebner. Die
Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) aus Steinbach/Wald war zur
Einrichtung der Einsatzleitung ebenfalls zur Brandstelle angerückt.

Insgesamt waren über 140 Mann der Feuerwehr, 40 Kräfte des
BRK und 3 Mann THW an der Einsatzstelle.

Neben den Einsatzkräften fanden sich auch 1. Bürgermeister
Manfred Raum, 2. Bürgermeister Heinz Hausmann sowie stv. Landrat Joachim Doppel
an der Einsatzstelle ein.

Gegen 22.00 Uhr waren die letzten Kräfte im Gerätehaus
zurück.

Die Brandursache ist bisher unklar. Beamte der
Kriminalpolizei haben die Ermittlungen aufgenommen.
Bilanz in Zahlen:
Eingesetzte Kräfte:
| FFW Kronach |
56 Einsatzkräfte |
10 Fahrzeuge |
| FFW Friesen |
9 Einsatzkräfte |
1 Fahrzeug |
| FFW Höfles |
12 Einsatzkräfte |
1 Fahrzeug |
| FFW Knellendorf |
22 Einsatzkräfte |
2 Fahrzeuge |
| FFW Neuses |
23 Einsatzkräfte |
2 Fahrzeuge |
| |
|
|
| Kreisbrandinspektion |
6 Einsatzkräfte |
|
| UG-ÖEL |
13 Einsatzkräfte |
2 Fahrzeuge |
| BRK |
40 Einsatzkräfte |
|
| THW |
3 Einsatzkräfte |
|
Eingesetzte Fahrzeuge FFW Kronach:
Löschgruppenfahrzeug LF 16/12
Tanklöschfahrzeug TLF 16/24
Drehleiter DLK 23/12
Löschgruppenfahrzeug LF 8/6
Löschgruppenfahrzeug LF 8 II
Rüstwagen RW 1
Tragkraftspritzenfahrzeug TSF
Schlauchwagen SW 1000
Gerätewagen Atemschutz-/Strahlenschutz
Bericht: Stefan Wicklein, Ralf Weidenhammer
Fotos:
Stefan Wicklein , 1.Bgm. Manfred Raum, Frank Förtsch (Fränkischer Tag), Neue Presse Coburg
Vielen Dank für die Überlassung der Bilder!
Die Detschramühle 1565 erstmals erwähnt
Teil des Kronacher Badewesens
Beim dem Großfeuer am vergangenen Sonntag fiel eine der
letzten noch vorhandenen alten Mühlengebäude im Stadtgebiet Kronach den Flammen
zum Opfer. Die „Detschramühle“ wurde 1565 erstmals urkundlich als „Tetscheramühle“
in einem Zehntstreit mit der Hofkammer zu Bamberg erwähnt.

Über viele Jahre wurde die Mühle von einer
Teilhabergemeinschaft aus verschiedenen Kronacher und Höfleser Holzhändlern
betrieben. Die Nutzungsrechte waren in zwöf „Riegen“ aufgeteilt, welche frei
veräußerbar, teilbar und verpfändbar waren. Die Geschäftsführung erfolgte durch
einen von der Teilhabergemeinschaft bestellten Mühlvogt. Von 1929 bis 1980
betrieb Friedrich Riedel als Alleineigentümer die Sägemühle, weshalb sie im
Volksmund auch als „Riedelsmühle“ bekannt ist. Zuletzt wurde der Mühlbach zur
Stromgewinnung über eine in der Mühle eingebaute Turbine genutzt.

Ab 1883 nutzte die Realschule den Staubereich der
Detschramühle für den Schwimmunterricht. Am 6. Juni 1889 wurde das „Detschrawöhrd“
als Badeplatz für Erwachsene freigegeben und mit Verordnung vom 14. Juli 1897
festgelegt „Die Benutzung des Badeplatzes an der Detschramühle ist nur den des
Schwimmens Kundigen gestattet.“. Nachdem der Müller eine Pachterhöhung forderte,
wurde der Badeplatz 1907 zunächst aufgelassen, doch bereits 1909 gründete sich
ein privater „Badeverein“, der wiederum das Detschrawehr als Vereinsschwimmbad
nutzte. Für die Frauen wurde unterhalb der Sägemühle ein „Frauenbad“ mit einer
kleinen Holzhütte eingerichtet. Auch die Realschüler durften gegen halbe Gebühr
dort das Schwimmen lernen. Hierzu forderte der Stadtmagistrat 1914 eine
„Hafterklärung des Rektorats über den Nachweis der Schwimmfähigkeit der badenden
Schüler“ sowie einen Rettungskahn. Mit der Eröffnung eines städtischen
Flussbades an der Hammermühle 1928 endete das Badewesen an der Detschramühle.
Es bleibt zu hoffen, dass die Detschramühle nach einer über
400jährigen Geschichte nicht gänzlich verschwindet.

Die Aufnahmen zeigen die Mühle im Jahr 1967
und eine „Badekarte“ des Detschera-Bades.
Stefan Wicklein
Vom Aeroclub Frankenwald erhielten wir diese Bilder, die Larissa
Grune fotografierte. Herzlichen Dank dafür!