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Großbrand Michelau

 

Katastrophenfall im Landkreis Lichtenfels

Großbrand Firma Metob in Michelau

 

Die Feuerwehr Kronach wurde am 14.03.2011 um 10.43 Uhr mit dem Gerätewagen Atem-/Strahlenschutz und Atemschutzgeräteträgern zu einem Großbrand nach Michelau (Landkreis Lichtenfels) alarmiert. Kurz darauf rückten der GW A/S, das LF 8/6 sowie ein TSF mit Ausrüstung und zwölf Atemschutzgeräteträgern nach Michelau ab.

Dort war in einem Betrieb ein Großfeuer ausgebrochen, bei dem chemische Stoffe freigesetzt worden waren. Die Feuerwehr Kronach baute vor Ort die Fülleinrichtung für Atemluftflaschen auf und bereitete sich auf den Einsatz von Chemikalienschutzanzügen vor. Zu dieser Zeit waren bereits mehrere Feuerwehren aus den Landkreisen Lichtenfels und Coburg unter Chemieschutz im Einsatz. Hier stellte vor allem das Löschwasser eine große Gefahr dar, da dieses ätzende Substanzen enthielt und bereits in Kanalisation und Oberflächenentwässerung gelaufen war. Durch das Landratsamt Lichtenfels war daher Katastrophenalarm ausgelöst worden.

Bei der Lagebesprechung um 11.30 Uhr wurde unter anderem die Umstellung des Löschmittels auf Schaum angedacht, wozu noch entsprechende Fahrzeuge nachgeordert wurden. Von Kronach rückte das TLF 20/40 mit dem P250 sowie das KLAF mit weiteren 600 Liter Schaummittel ab.

Kurz darauf zeigte sich jedoch ein Löscherfolg, weshalb das Kronacher Material nicht eingesetzt werden musste. Um 12.50 Uhr konnten die ersten Fahrzeuge der FF Kronach die Einsatzstelle verlassen, gegen 14.00 Uhr waren alle Kräfte zurück in Kronach.

 

Die online-Ausgabe des Fränkischen Tags, Ausgabe Lichtenfels schreibt am 14.03.2012 zu diesem Einsatz:

Höchste Alarmstufe wurde am Morgen bei den Feuerwehren im Landkreis Lichtenfels ausgelöst, als die Metob-Beschichtungen GmbH im Michelauer Industriegebiet einen Brand meldete. Eine riesige schwarze Rauchwolke war weithin über dem Ort zu sehen.

 

Die Brandursache wird von der Kriminalpolizei zu ermitteln sein. Vor Ort ging man zunächst von einem technischen Defekt an einem Entlackungsofen aus, was jedoch noch nicht offiziell bestätigt wurde.
Um 8.30 Uhr ertönten die Sirenen, nach wenigen Minuten war bereits ein Großaufgebot an Feuerwehren vor Ort. Über zwei Drehleitern wurde das Feuer von oben aus bekämpft, während sich Atemschutzgeräteträger startklar für den Einsatz im Inneren der Werkhalle machten.
Um Menschenleben musste man sich zu dieser Zeit keine Sorgen machen - nach den Einsatzkräften vorliegenden Meldungen hatten alle rund 100 Mitarbeiter das Gebäude bereits verlassen. Sie verfolgten mit angespannten Mienen von der anderen Straßenseite aus das Geschehen.
Zwölf Feuerwehrleute wurden bei dem Einsatz im Michelauer Beschichtungsbetrieb Metob verletzt. Sie erlitten Verätzungen, nach Auskunft des Leitenden Notarztes, Goller, handelt es sich nicht um schwerwiegende Verletzungen. Vier Feuerwehrleute wurden zur ambulanten Behandlung ins Klinikum gebracht, einer wurde in einer örtlichen Arztpraxis versorgt. Durch die Chemikalien, mit denen in dem Unternehmen gearbeitet wird, bestand bei dem Einsatz starke Verätzungsgefahr. Anwohner wurden über Radiomeldungen angehalten, Türen und Fenster geschlossen zu lassen, benachbarte Firmen wurden evakuiert. Nach der Belastung der Luft gefragt, sagte Kreisbrandrat Timm Vogler, bei jedem Mülltonnenbrand entstünden giftige Stoffe. Der Rauch sei in dem Fall recht senkrecht weggezogen, nicht in den Ort. Der im Rettungsdienst eingesetzte Arzt versuchte, die Gefahr in der Umgebung zu relativieren: "Wir alle sind dort ohne Atemschutz gewesen."
Der Schaden, der bei dem Brand entstanden ist, beläuft sich nach ersten Schätzungen auf mehrere Hunderttausend Euro.


Großen Aufwand stellte auch die Verkehrsabsperrung und -umleitung im Industriegebiet dar.
Die Feuerwehr bereitete eine Sperre für kontaminiertes Löschwasser vor. Bei der am Nachmittag anberaumten Pressekonferenz im Michelauer Rathaus wurde bekanntgegeben, dass vorsorglich die Michelauer Trinkwasserbrunnen gesperrt wurden. Die Versorgung kann laut Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) etwa einen Dreivierteltag über den Vorrat in den beiden Hochbehältern laufen, danach würden die Stadtwerke Lichtenfels einspringen und dafür sorgen, dass die Speicher am Krappenberg aufgefüllt werden. Vorsorglich kann danach auf Fernwasserversorgung umgestellt werden. Es sei jedenfalls sichergestellt, dass das Trinkwasser, das die Bevölkerung bekommt, nicht kontaminiert sei. Entsprechenden "Falschmeldungen" im Internet trat der Bürgermeister entgegen. Gleichzeitig mussten sich die Behördenvertreter bei der Pressekonferenz aber vorhalten lassen, dass in der Zeit bis zum Beginn der Pressekonferenz um 14 Uhr Medienvertreter auf Nachfrage bezüglich der Umweltbelastung keine Informationen erhalten hatten.


Das Löschwasser enthält nach Auskunft des Kreisbrandrates verschiedene Säuren und Laugen sowie hochgiftige und umweltgefährdende Chromverbindungen. Es gelangte in den Landwehrgraben, einem kleinen Bachlauf, der zur Kläranlage und auch in Richtung des Michelauer Wasserschutzgebietes führt. Das belastete Löschwasser wurde auch in der Kanalisation mittels so genannter Dichtkissen aufgefangen. Es wird in den insgesamt 500 Kubikmeter fassenden Regenüberlaufbecken in den Gemarkungen Neuensee und Schwürbitz zwischengelagert. Die giftige Brühe soll noch am frühen Abend von einem Experten der Transport- und Unfallhilfe der Chemischen Industrie (TUIS), der eigens per Hubschrauber aus Oberbayern eingeflogen wurde, begutachtet werden. Auf seinen Rat hin soll entschieden werden, wie das belastete Wasser neutralisiert beziehungsweise entsorgt werden kann. Es sei alles getan worden, um eine Ausbreitung zu verhindern, betonte Landrat Meißner. Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes waren ebenfalls vor Ort. Es wurde die Einschätzung abgegeben, die im Landwehrgraben bestehende Lehmschicht sei geeignet, kein Wasser in tiefere Erdschichten eindringen zu lassen.
Sehr stark kontaminiert sind die Schutzanzüge der im Gebäude eingesetzten Feuerwehrleute. Sie müssen laut Kreisbrandrat Vogler als Sondermüll entsorgt werden. Erkenntnisse zu sonstiger Umweltbelastung - etwa von landwirtschaftlichen Flächen - verneinten die Behördenvertreter in der Pressekonferenz. Der Landrat sagte aber Überprüfungen zu. "Wir bleiben dran." Der Katastrophenfall - den der Landkreis zum ersten Mal nach 34 Jahren (damals bei einem gravierenden Hochwasser im Raum Staffelstein) ausgerufen hat - werde auf jeden Fall bis zum Folgetag bestehen bleiben. Bis man Klarheit über die Situation hat.

Der Leiter der Kriminalpolizei Coburg, Bernd Rebhan, teilte mit, dass die Brandstelle beschlagnahmt wurde und es erste Vernehmungen gegeben habe. Aktuell müsse man von einer technischen Ursache für das Feuer ausgehen. Wie weiter zu erfahren war, ist die Fabrikhalle einsturzgefährdet. Zur Entfernung der Dachhaut wurde ein 200-Tonnen-Kran geordert.
Insgesamt arbeiteten bei diesem Ereignis rund 420 Einsatzkräfte, davon 350 Feuerwehrler, zusammen. Und dies, wie Timm Vogler bestätigte, "reibungslos". "Wir haben viele Jahre für diesen Tag geprobt", merkte er an. In der Firma Metob selbst habe zwar keine Übung stattgefunden, doch sei man sich im Klaren über die Stoffe gewesen, die man dort zu erwarten hatte. Ab 13 Uhr galt der Brand als "unter Kontrolle". Es war jedoch davon auszugehen, dass sich der Löscheinsatz noch bis in die Nacht hinziehen würde.
Die Metob-Beschichtungen GmbH macht Tauchbad- und Pulverbeschichtungen sowie Lackierungen, besonders für die Möbel- und Automobilzulieferindustrie. Sie hat neben dem Stammsitz in Michelau Werke in Hildburghausen, Roth am Forst (Kreis Coburg), Treuen im Vogtland und Treuchtlingen in Mittelfranken.
Der Firmenchef, Matthias Krämer, war ebenfalls im Michelauer Rathaus bei der Pressekonferenz anwesend. Er nutzte die Gelegenheit, gegenüber "dem ganzen Stab" seine Dankbarkeit auszudrücken - und seine Erleichterung darüber, dass kein Todesfall zu beklagen war.
 


Bilder: Fränkischer Tag, Ausgabe Lichtenfels

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