
Jarhunderthochwasser zum Heiligen Abend
Den Heiligen Abend 1967 werden viele ältere
Mitbürger wahrscheinlich noch gut in Erinnerung haben. Damals kam es zur
größten Hochwasserkatastrophe, die Kronach und der Frankenwald in den
letzten 100 Jahren erlebt haben.

Kronachallee und Spitalstraße
Hatte es noch den ganzen Dezember über kräftig
geschneit, stiegen ab 22. Dezember die Temperaturen einige Grad über Null.
Am 23. Dezember setzte starker Regen ein, der den Schnee in den höheren
Lagen zum schmelzen brachte. Die Pegelstände der Oberläufe, die an das
Straßen- und Flussbauamt in den Abendstunden erhielt, ließen schlimmes
befürchten. Gegen 23.00 musste die Kronacher Feuerwehr erstmals ausrücken,
um Keller auszupumpen. Doch die Lage spitzte sich immer mehr zu. Von den
Oberläufen wurden bereits größere Ausuferungen gemeldet. In Wallenfels
wurden die Einwohner um Mitternacht mit Sturmläuten der Kirchenglocken auf
die drohende Gefahr aufmerksam gemacht.

Hussitenplatz und Bahnhofsplatz
Die Polizei begann daraufhin in Kronach damit, in
tiefergelegenen Gebieten, die Bevölkerung mit Lautsprecherdurchsagen vor den
herannahenden Wassermassen zu warnen. Um 4.45 Uhr wurde dann
Kathastrophenalarm gegeben und die Sirenen laufen lassen. Sowohl Haßlach als
auch Rodach traten zu diesem Zeitpunkt in ungeahntem Ausmaß über ihre Ufer.
Auch die Kronach folgte kurze Zeit später, so dass bald große Teile des
Kronacher Stadtgebietes überschwemmt waren. Marienplatz, Kaulanger,
Kulmbacher Straße, Rosenau, Schwedenstraße, Limmerstraße, Spitalplatz oder
Ziegelwinkel – überall stand das Wasser bis zu einem Meter hoch in den
Straßen. Aber auch die umliegenden Orte, wie Höfles, Vogtendorf, Neuses, Au,
Küps oder Oberlangenstadt meldeten „Land unter“.
Leider forderte diese Jahrhundertflut auch zwei
Todesopfer. In Kronach fiel ein fünfjähriger Bub in die Fluten und wurde
nicht wieder gefunden. In Schmölz ertrank ein 61jähriger in einem
überfluteten Straßengraben.

Kolpingstraße und Pfählanger
Die Hilfskräfte des ganzen Frankenwaldes waren
pausenlos im Einsatz. Allein in Kronach waren neben der Kronacher Feuerwehr
über zehn auswärtige Feuerwehren eingesetzt. Daneben Kräfte des Technischen
Hilfswerkes, des Bundesgrenzschutzes, des Roten Kreuzes, der Land- und
Grenzpolizei sowie des Straßen- und Flussbauamtes.
Bis zur Erschöpfung arbeiteten die Hilfskräfte, um
Straßen wieder passierbar zu machen und das Wasser aus den Häusern zu
bekommen. So verbrachten viele den Heiligen Abend nicht mit der Familie
sondern halfen bei der Bewältigung dieser Jahrhundertkatastrophe. Dabei
waren manche Helfer bis zu 43 Stunden pausenlos im Einsatz.
Für viele bleiben so die Feiertage 1967 als die
„Schreckensweihnacht“ in Erinnerung.
Stefan Wicklein
